Punk Rock

von Simon Stephens
Premiere: 29.10.2010, Staatstheater Mainz

In der Mainzer Studiobühne TiC arbeitet Regisseur Matthias Kaschig das Uniforme dieses Schulhof-Daseins jetzt auch pointiert heraus. (...) In Mainz wird diese Geschichte einer Eskalation zackig, schnell und schnörkellos aufgeblättert: Bis zum ebenso überraschenden wie folgerichtigen Showdown dauert es nicht einmal anderthalb Stunden.

Allgemeine Zeitung und Wiesbadener Tagblatt, Jens Frederiksen


Der Dramatiker Simon Stephens breitet das Massaker in der Schulbibliothek über sechs Seiten aus. Der junge Regisseur Matthias Kaschig macht auf der Mainzer Tic-Studiobühne hingegen kurzen Prozess: William Carlisle schießt fünfmal, dann sind fünf seiner Schulkameraden tot. Simon Stephens hatte eigentlich vorgesehen, dass zwei davonkommen und der Amokläufer am Ende eine Psychotherapie macht. In Mainz springt stattdessen im letzten Bild ein Hase auf die Bühne und rezitiert aus Michel Houellebecqs Roman »Ausweitung der Kampfzone«. Eine britische Kampfzone ist auch der von Jürgen Höth gebaute Pausenhof, eine weiße Arena mit dem Muster des Union Jack auf dem Boden und an der Wand dem maßlosen Anspruch »Die besten Kinder der Nation gehen durch diese Hallen« - zynischer Kommentar zur Katastrophe.

»Punk Rock« aus dem Jahr 2009 ist gewiss nicht das stärkste Stück des nicht nur in Mainz viel gespielten Dramatikers Simon Stephens (»Motortown«). Seine Erkenntnisse über Mobbing und Bulimie, Leistungsdruck und Liebeskummer sind banal, die mörderische Eskalation ist halbherzig hingeworfen. Matthias Kaschig macht aus dieser uninspirierten Vorlage dennoch einen durchaus überzeugenden Abend, indem er die Schwächen in Stilisierungen überführt.

In Mainz ist nicht das Milieu einer englischen Eliteschule zu besichtigen, sondern die bloßgelegte Mechanik des Stücks.

Echo Online, Stefan Benz

Eine flotte Inszenierung. In eineinhalb Stunden wird, wie oft, wenn etwas für Jugendliche sein soll, viel über Sex geredet. (...) Den Höhepunkt an Handlungsarmut bildet ein monologisierender Hase, der sich Worte des Schriftstellers Michel Houellebecq aus dem Roman „Ausweitung der Kampfzone“ borgt, um zu fragen, was zu tun ist in einer freien Welt, die nur Leere hervorruft.

Frankfurter Rundschau, Grete Götze


Ob am Ende das vorwiegend junge Premierenpublikum die Leistungen des jung-dynamischen Ensembles bejubelte oder die dargestellten Typen und Taten cool fand, möchte man lieber nicht so genau wissen.

FAZ Rhein-Main, Matthias Bischoff




Die Umstände sind hier so anders, dass dem vielbeachteten Thema Amoklauf tatsächlich noch ganz andere Facetten abgerungen werden. (...) Der Nachvollziehbarkeit endgültiges Ende bildet jedoch die hirnrissigste Pointe, die man sich zu so einem brisanten Thema überhaupt ausdenken kann: Mitten im Blutbad klettert ein Typ im Karnickelkostüm aus dem Lüftungsschacht. In einer poetischen Ansprache fragt er die Zuschauer, wo ihr Interess ihre Anteilnahme am Leben hingekommen seien. Nicht nur dank des Hasen ist „Punck Rock“ so wenig vorher- und nachvollziehbar, dass man im Anschluss noch lange darüber brütet.

Mainzer Rheinzeitung, Eva Szulkowski



Regie Matthias Kaschig, Bühne und Kostüme Jürgen Höth, Musik Tobias Vethake, Dramaturgie David Schliesing

Lilly Ulrike Beerbaum, Tanya Pascale Pfeuti, Cissy Johanna Paliatsou, William Felix Mühlen Nicolas Jan-Philip Frank, Bennett Lukas Piloty Chadwick André Willmund, Hase Zlatko Maltar