Getränk Hoffnung

von David Lindemann
Werkstattinszenierung 25. Juni 2011, Deutsches Theater Berlin

David Lindemann etwa setzt in seiner Groteske "Getränk Hoffnung" einen Kunden in ein absurdes Bankgespräch, das von der totalen Zufriedenheit und vom Vertrauen des Kunden handelt, aber von nichts Konkretem mehr. Es ist ein schönes Abbild der Finanzmärkte, von der puren Esoterik und latenten Gewalt des Kreditwesens. Bei der Lektüre erschien mir die Konstruktion des mit den kalten Wassern der Systemtheorie gewaschenen Lindemann zu bemüht.

Doch die Werkstattinszenierung an der langen Nacht der Autoren war eine kleine Sensation. Ansteckend gut, und doch ganz beim Text. Der junge Regisseur Matthias Kaschig hat die Groteske beim Wort genommen und Spitzenkräfte wie Arnd Klawitter, Maren Eggert und Peter Jordan zeigen, wie zentral sprachliches Timing und körperliche Präzision im Humorgeschäft sind. Man könnte die gute Stunde sofort in irgendeinen Spielplan übernehmen, ohne das Stück weiter zu Tode zu proben oder anderweitig in die Länge zu ziehen. Danke dafür!

TAZ, Tobi Müller


Einziger Lichtblick in dieser langen Nacht der Humortristesse und des Elends der Gegenwartsdramatik war David Lindemanns 'Getränk Hoffnung' in der pointensicheren Regie von Mathias Kaschig: Schnell, unverschmockt und mit einem bestens gelaunten Ensemble, in dem Maren Eggert, Peter Jordan, Arnd Klawitter und Bernd Stempel mit Karacho vorführen, wie lässig und komisch Theater sein kann. Der Plot ist simpel, aber wirkungsvoll: Eine Bank handelt nicht mit Geld, sondern mit Vertrauen und lullt ihre Kunden zwischenmenschlich bei netten Partys ein. Das ist zwar auch nicht tiefsinniger als ein Sketch von Dieter Hallervorden, aber es ist wenigstens nicht so peinlich und talentfrei bemüht wie die drei anderen Humorzumutungen, mit denen das Deutsche Theater in der 'Langen Nacht' sein Publikum gequält hat.

Süddeutsche Zeitung, Peter Laudenbach


Auch "Getränk Hoffnung" von David Lindemann (Jahrgang 1977) verdankt der Werkstattregie von Matthias Kaschig viel: Er hat gekürzt. Das Stück demonstriert Schwätzer, die an der großen bösen Finanzkrise verrückt geworden sind. Bei Peter Jordan, Maren Eggert und Arnd Klawitter sehen sie wie Irrsinnsritter aus. Sie nehmen die Utopieversprechen der Banken und Theater gleichermaßen auseinander. Sozusagen ein Metakrisendrama. Lustig, aber nicht erhellend, weil völlig vage bleibt, woraus die Krisen beschaffen sind, deren Dahinter entlarvt werden soll.

Berliner Zeitung, Dirk Pilz


David Lindemann hatte vor vielen Jahren mal Erfolg mit der Groteske „Koala Lumpur“, danach vergaloppierte er sich mit Theorie-Western-Trilogien und ähnlichem in der Prärie der Nachwuchsdramatik. Sein Stück „Getränk Hoffnung“ ist nun der bescheidene Höhepunkt des Abends. Zwar geht auch hier Referat vor Handlung. Tief sitzt in unserem Land die Angst vor dem well made play, und schon gar nicht lachen wir gern, ohne zu lernen. Immerhin hat Regisseur Mathias Kaschig das Stück um die Hälfte gekürzt und mit tollen Schauspielern wie Maren Eggert und Peter Jordan zügig auf die Bühne gebracht.

Ein Herr Bond (Arnd Klawitter) kommt zum Beratungstermin bei seiner Bank, auf einer Bank im Park. Kundenbetreuerin Merkel verkauft das Konzept der Post-Finanzkrisen-Ära: Die Banken wollen nicht mehr unser Geld, sondern unser Vertrauen. Wohlgefühl als Währung. Mehr als diese eine Idee hat das Stück zwar nicht, aber immerhin, mehr als andere.

Der Tagesspiegel, Patrick Wildermann


Eine flotte, hintersinnige Bankensatire. (...) Matthias Kaschigs genaue, reduzierte Inszenierung findet Anklang.

Berliner Morgenpost, Elena Philipp



Regie Matthias Kaschig, Bühne Juliane Grebin, Kostüme Camilla Daemen, Musik Tobias Vethake, Dramaturgie Anika Steinhoff

Frau Christina Merkel Maren Egger, Herr Bond Arnd Klawitter, Der Analyst Peter Jordan, Der Kassenprüfer Jürgen Huth, Die Zigeunerin Bernd Stempel

Pressefotos:

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